Ausrüstung · Trenntoiletten
Trenntoilette kaufen: fünf Dinge, die wir vorher prüfen würden
Über die Toilette im Camper spricht man nicht besonders gern, und genau deshalb wird sie beim Kauf zuletzt angeschaut. Dabei ist sie das Bauteil, das am stärksten darüber entscheidet, wie lange du an einem Ort stehen bleiben kannst.
Hier die fünf wichtigsten Dinge, die jeder Camper wissen muss, bevor er seine erste Trenntoilette kauft.
Vorweg: Unten steht die vollständige Checkliste nochmal zum Ausdrucken, mit Spalten für mehrere Modelle.
01Die Größe der Öffnung hinten
Eine Trenntoilette trennt vorne den Urin und hinten die Feststoffe. Wie großzügig der hintere Schacht gebaut ist, unterscheidet sich zwischen den Modellen erheblich, und sehen kann man es erst, wenn man den Deckel öffnet.
Ist der Schacht zu eng, landet nicht alles im Behälter, sondern auf der Fläche davor oder auf der Kante. Dafür gibt es dann genau eine Lösung, nämlich von Hand nachschieben und putzen.
Nachspülen fällt nämlich aus. Wasser hat im Feststoffbehälter nichts zu suchen, das ganze Prinzip beruht darauf, dass die Feststoffe trocken bleiben und der Rest sich von selbst erledigt.
Wer dort Wasser hineingibt, hat zwei Tage später ein Geruchsproblem. Es bleibt also bei Papier und Hand, und zwar jedes Mal.
Prüfen lässt sich das in fünf Sekunden. Deckel auf, hineinschauen. Wenn man sich beim Anblick überlegen muss, ob das auch wirklich sofort ins Loch geht, hat man die Antwort schon.
02Der Verschluss am Urinablauf
Gerüche entstehen bei einer Trenntoilette meistens nicht nur durch die Feststoffe, sondern auch durch den Urin.
Jeder Urinkanister fängt irgendwann an zu riechen. Urin kristallisiert, es bildet sich Urinstein, eine harte Schicht auf den Innenflächen, die den Geruch festhält und sich mit Wasser nicht mehr lösen lässt. Das ist kein Mangel und keine Frage der Sauberkeit, das passiert bei jedem Modell.
Die Frage ist deshalb nicht, ob es im Kanister riecht. Die Frage ist, ob der Geruch dort bleibt.
Viele Modelle verschließen den Ablauf mit einer einfachen Gummimembran oder einer weichen Kunststoffklappe. Und da bleibt er nicht. Nicht manchmal, sondern sobald es warm wird.
Genau deshalb liest man in Bewertungen so oft, dass eine Toilette am Anfang geruchsfrei war und nach ein paar Monaten nicht mehr. Nicht die Toilette hat sich verändert, sondern der Kanister, und der Verschluss war nie dicht genug, um das aufzufangen.
Am Stand fragen wir deshalb zwei Dinge: Wie genau wird der Urinablauf verschlossen, und ist er im geschlossenen Zustand wirklich dicht und nicht nur eine einfache Gummimembran.
03Ob sich ein Lüfter einbauen lässt
Die häufigste Frage vor dem Kauf ist: Und wenn es doch riecht?
Dann gibt es genau eine Antwort, und das ist ein Lüfter. Er zieht die Feuchtigkeit aus dem Behälter, und trockenes Material riecht kaum. Feststoffe riechen nämlich nicht von sich aus. Sie riechen, solange sie feucht sind.
Der Lüfter ist auch schnell nachgerüstet. Das Problem ist nur: Die Toilette muss dafür gebaut sein.
Sie braucht ein Loch für den Abluftschlauch nach draußen. Sie braucht einen festen Behälter, keinen Beutel. Und sie braucht ein Rührwerk, das den Inhalt auflockert, denn nur dann kommt die Luft überhaupt an die Feuchtigkeit ran. Fehlt eines davon, bläst der Lüfter über einen feuchten Klumpen und ändert nichts.
Und diese drei Sachen kann man nicht nachrüsten.
Das ist der ganze Punkt. Wer sie hat, kann später reagieren, wenn es doch mal riecht. Wer sie nicht hat, kann nur eine neue Toilette kaufen.
Kaufen muss man den Lüfter also nicht sofort. Für einzelne Wochenenden braucht man ihn ohnehin nicht. Die Toilette muss ihn nur aufnehmen können.
Am Stand fragen wir deshalb, ob ein Lüfter dabei oder nachrüstbar ist und wo die Abluft rauskommt.
04Beuteln können, nicht müssen
Beuteltoiletten haben ihre Berechtigung. Kein Strom, keine Technik, gutes Design, und für zwei bis drei Nächte funktionieren sie problemlos.
Der Grund für den Umstieg ist bei den meisten die Chemie. Beim reinen Beutelsystem tauscht man sie aber gegen Plastik. Jeder Gang ein neuer Beutel, dazu ständig Einstreu. Entsorgt wird alle ein bis zwei Tage, also im selben Rhythmus wie vorher mit der Kassette.
Das kann man aushalten. Der Punkt ist ein anderer: Beim reinen Beutelsystem kommst du da nie wieder raus. Es gibt keinen zweiten Weg, egal wie deine Reisen sich entwickeln.
Deshalb würden wir heute nur noch ein System nehmen, das beides kann. Beuteln, wenn man will, für zwei Nächte oder wenn man schnell entsorgen möchte. Und ohne Beutel, wenn man länger stehen bleibt oder wenn es im Sommer riecht und man einen Lüfter nachrüsten will.
Beuteln können, nicht beuteln müssen. Das ist der ganze Unterschied, und er kostet dich beim Kauf nichts außer der richtigen Entscheidung.
05Der Urinkanister taugt für den Alltag
Der Kanister ist das Bauteil, das man am häufigsten in der Hand hat, und beim Kauf schaut man ihn sich am seltensten an. Man steht am Stand vor der Toilette und schaut auf die Toilette.
Drei Dinge entscheiden hier.
Das Volumen. Die meisten Modelle liegen zwischen 3,5 und 7 Litern. Zu zweit heißt das, jeden Tag entleeren, und damit ist man ungefähr da, wo man mit der Kassette schon war. Ab 8 Litern ändert sich der Rhythmus spürbar, bei 10 kommt man zu zweit auf mehrere Tage.
Blickdicht. Der Weg zur Entsorgung führt über den halben Platz, meistens morgens, meistens an Leuten vorbei, die gerade frühstücken.
Ein echter Tragegriff, keine angeformte Kante im Kunststoff. Acht Liter sind acht Kilo, und man trägt sie mit ausgestrecktem Arm, weil man das Ding nicht an den Körper hält.
Am besten direkt im Netz explizit nach der Tankgröße schauen oder auf Messen am Stand nachfragen.
Wofür wir uns entschieden haben
Angefangen haben wir mit verschiedenen Systemen. Inzwischen fahren wir nur noch mit einem.
Es ist die BioTioo. Großer Schacht hinten, Geruchsverschluss am Urinablauf, 10 Liter im Tank, fester Behälter mit Rührwerk, Lüfter nachrüstbar und auch noch aus Edelstahl. Günstig ist sie nicht, sie liegt im oberen Bereich.
Das ist unsere Erfahrung und meine persönliche Meinung.
Wie man reist, ist bei jedem anders, und danach fällt die Entscheidung auch anders aus. Wer nur an Wochenenden fährt, landet woanders, und das zu Recht.
Die Liste zum Abhaken
Für alle, die gerade selbst auf der Suche sind, habe ich hier eine Checkliste als PDF angehängt. Etwas ausführlicher als der Beitrag, sieben Punkte statt fünf, mit Spalten für mehrere Modelle und den Fragen so formuliert, wie man sie im Laden oder am Stand stellen kann.
Die Idee dahinter ist simpel. Man vergleicht die Trenntoiletten, und zwei Tage später weiß man nicht mehr, welche was konnte. Mit dem Bogen hakst du bei jeder ab, was sie erfüllt, und am Ende bleibt übrig, was übrig bleibt.
Checkliste als PDF herunterladen 1 Seite · A4 · kein Login nötigFalls euch Punkte fehlen, die auf die Liste gehören, schreibt sie gerne in die Kommentare.
PS: Eine Sache lässt sich in keiner Liste abschließend klären, nämlich die Maße.
Ob eine Toilette in dein Bad passt, kann dir niemand von außen sagen. Das hängt am Fahrzeug, am Grundriss und daran, ob der Deckel bei dir überhaupt aufgeht. In manchen Kastenwagen scheitert es an zwei Zentimetern in der Breite, in anderen an der Schwenkwand.
Im PDF steht deshalb nur die Erinnerung, die eigenen Maße vorher zu notieren. Nachrechnen musst du am Ende selbst, und das würde ich vor dem Kauf machen und nicht danach.
Danke fürs Lesen.